Haben Sie Astigmatismus? Dann kaufen Sie sich keinen Rotpunkt-Kollimator, sondern einen mit grünem Punkt. Ein solcher Rat klingt einfach und überzeugend. In der Praxis gilt er jedoch nicht für jeden. Das grüne Absehen kann für einige Schützen tatsächlich klarer erscheinen, aber es kompensiert den Sehfehler nicht. In das endgültige Bild fließen auch die Intensität der Beleuchtung, die Größe und Form des Absehens, die verwendete Sehkraftkorrektur und die Konstruktion des Visiers ein.
Manche Menschen sehen durch das Kollimator einen präzisen Punkt, während es für andere wie ein Stern, ein Strich, ein Punkteshaufen oder ein unregelmäßiger Lichtfleck aussieht. Bedeutet das, dass die Optik defekt ist? Und wenn Astigmatismus das Bild tatsächlich verzerrt, hilft dann ein größerer Punkt, die grüne Farbe, ein holografisches Visier oder vielleicht eine prismatische Optik mit geätztem Absehen?

Bei der Auswahl des Kollimators bewerten Sie die Lesbarkeit des Absehens mit Korrekturgläsern und Schutz- oder ballistischen Brillen, die Sie beim Schießen tatsächlich verwenden. Foto: Rigad
Astigmatismus gehört zu den Refraktionsfehlern des Auges. Vereinfacht gesagt, hat die Hornhaut oder die Linse in allen Richtungen keine gleichmäßige Krümmung. Deshalb fokussiert sich das Licht nicht in einem einzigen präzisen Brennpunkt. Das Ergebnis kann ein verschwommenes oder deformiertes Sehen in der Nähe und in der Ferne sein. Die Symptome unterscheiden sich dabei nicht nur zwischen verschiedenen Menschen, sondern manchmal auch zwischen dem rechten und dem linken Auge.
Bei einigen Schützen tritt der Astigmatismus deutlich hervor, insbesondere beim Blick auf den kleinen Lichtpunkt des Kollimators. Eine leichte Deformation ist jedoch bei korrekter Zielausrichtung kaum wahrnehmbar oder praktisch einschränkend.
Ein üblicher Reflexvisier verwendet eine Leuchtdiode, deren Bild von einer speziell bearbeiteten Linse in Richtung des Schützenauges reflektiert wird. Wenn das Auge die Lichtstrahlen nicht richtig fokussieren kann, kann der Punkt sich verlängern, verzweigen oder in mehrere Teile auflösen.
Die Form der Deformation allein sagt nichts über die Schwere des Fehlers aus. Ein Schütze sieht einen kleinen „Schweif“, der beim Zielen praktisch nicht auffällt. Für einen anderen bildet der Punkt einen unregelmäßigen Cluster, der einen wesentlich größeren Teil des Ziels verdeckt. Wichtig ist auch, wohin der Schütze fokussiert. Bei korrekter Verwendung des Kollimators sollte der Blick auf das Ziel gerichtet bleiben, und der Zielpunkt wird nur ins Bild projiziert. Wenn Sie anfangen, den Punkt selbst gegen eine nahe weiße Wand zu untersuchen, werden Ihnen alle Unvollkommenheiten auffallen – einschließlich derer, die beim Schießen keine Rolle spielen.
Ein verzerrter Punkt bedeutet nicht automatisch Astigmatismus. Ein ähnlicher Effekt kann durch zu hohe Helligkeit, verschmutzte oder beschlagene Linsen, ungeeignete Lichtverhältnisse und in einigen Fällen auch durch das Visier selbst verursacht werden.
Zuerst reinigen Sie die Linsen und stellen Sie den Zielpunkt so ein, dass er gut sichtbar, aber nicht unnötig blendend ist. Dann schauen Sie durch den Kollimator auf ein ausreichend entferntes Ziel und konzentrieren Sie Ihren Blick darauf, nicht auf das Fadenkreuz. Wenn der Punkt kleiner wird oder seine Ränder ruhiger erscheinen, könnte das Hauptproblem die Beobachtungsweise oder eine zu hohe Intensität gewesen sein.
Vergleichen Sie anschließend das rechte und linke Auge. Probieren Sie auch gängige dioptrische oder Schießbrillen aus und lassen Sie eine andere Person durch die gleiche Optik schauen. Wenn diese Person den Zielpunkt anders wahrnimmt als Sie, ist es wahrscheinlich, dass der Unterschied mit dem Sehvermögen zusammenhängt, nicht mit dem Kollimator selbst. Wenn die Deformation bei allen in gleicher Weise auftritt, lohnt es sich, das Gerät mit einem anderen zu vergleichen.
Ein nützliches Hilfsmittel zur Orientierung ist auch das Mobiltelefon. Fotografieren Sie durch den Kollimator ein entferntes Ziel mit einem Zielpunkt und vergleichen Sie das Foto mit dem, was Sie mit eigenen Augen sehen. Wenn der Punkt auf dem Foto regelmäßig ist, Sie ihn aber als Stern oder Strich wahrnehmen, hängt die Verzerrung wahrscheinlich mit Ihrem Sehvermögen zusammen.
Aber die Kamera im Handy ist kein perfektes optisches Labor. Der Autofokus, die Belichtung, die Bewegung des Handys oder eine zu hohe Helligkeit können den Lichtpunkt auf dem Bild vergrößern und verwischen. Ein unregelmäßiger Fleck auf dem Foto beweist daher nicht von selbst einen Fehler in der Optik. Das Handy kann Hinweise geben, ob die Verzerrung eher mit der Optik oder mit dem Sehvermögen zusammenhängt, aber keine dieser Ursachen allein bestätigen.

Das resultierende Bild des Fadenkreuzes wird nicht nur durch das Sehvermögen des Schützen, sondern auch durch die Helligkeitseinstellungen, das Umgebungslicht und den Hintergrund beeinflusst. Beurteilen Sie den Punkt daher beim Blick auf das Ziel und nicht nur gegen eine nahegelegene Wand. Foto: Rigad
Wenn der Zielpunkt verschwommen erscheint, überprüfen Sie zuerst die Hintergrundbeleuchtungsintensität. Ein überbelichteter Punkt vergrößert sich optisch, erzeugt eine Ausstrahlung um sich herum und kann auch bei Personen ohne ausgeprägten Astigmatismus „verschwimmen“. Die für starkes Sonnenlicht eingestellte Hintergrundbeleuchtungsintensität kann bei Dämmerung oder innerhalb eines Gebäudes unzureichend sein.
Die praktische Regel ist einfach: Stellen Sie die Intensität nur so hoch ein, wie es die aktuellen Bedingungen erfordern. Die Umrisse müssen vor dem gegebenen Hintergrund zuverlässig sichtbar bleiben, sollten jedoch nicht unnötig leuchten. Ein zu schwacher Punkt kann verloren gehen und das Zielen verlangsamen, während übermäßige Helligkeit seine Umrandung verschlechtert. Höhere Leistung ist besonders bei starkem Licht oder vor einem hellen und strukturierten Hintergrund nützlich, es ist jedoch nicht notwendig, sie ständig zu nutzen.
Ähnlich lässt sich die ideale Punktgröße nicht ausschließlich anhand der Zahl in MOA auswählen. Ein kleinerer Punkt verdeckt das Ziel weniger und bietet in der Regel bessere Voraussetzungen für präzises Schießen auf größere Distanzen. Ein größerer Punkt kann in der Regel schneller gefunden werden, was beim dynamischen Schießen und auf kurze Distanz von Vorteil sein kann. Bei einem Schützen mit Astigmatismus kann sich jedoch ein nominell kleiner Punkt in einen erheblich größeren, unregelmäßigen Fleck verwandeln. Sein theoretischer Vorteil verschwindet dadurch.
Die Wahl zwischen zum Beispiel 2–3 MOA und 6 MOA ist daher nicht nur eine Frage der Präzision und Geschwindigkeit. Entscheidend ist die tatsächliche Form, die das Absehen im jeweiligen Auge annimmt. Ein größerer Punkt muss nicht schärfer sein, kann jedoch zusammenhängender wirken und leichter zu finden sein. Ein kleinerer Punkt hingegen kann bei niedrigerer Intensität ausreichend klar bleiben. Ohne direkten Vergleich lässt sich das nicht zuverlässig vorhersagen.
Eine Alternative zum einzelnen Punkt ist ein Kreis mit einem zentralen Punkt oder eine andere kombinierte Absehensart. Eine größere geometrische Form kann das schnelle Finden des Zentrums erleichtern, während ein kleiner Punkt die Möglichkeit für präziseres Zielen erhält. Einige Augen nehmen jedoch ein komplexeres Absehen eher als mehr Lichtlinien wahr, die sich verformen können. Umschaltbares Absehen ist daher vor allem nützlich, weil es ermöglicht, mehrere Varianten wirklich auszuprobieren.
Die grüne Farbe wird oft als Lösung für Schützen mit Astigmatismus empfohlen. Der Kern dieses Ratschlags ist nicht völlig aus der Luft gegriffen: Das menschliche Auge ist bei Tageslicht sehr empfindlich gegenüber Licht im grünen Spektralbereich, sodass ein grünes Absehen bereits bei einer niedrigeren Einstellung auffällig sein kann. Einige Menschen empfinden ihren Rand als klarer und nehmen den Punkt schneller wahr.
Das bedeutet jedoch nicht, dass das grüne Licht die unregelmäßige Krümmung des Auges umgeht. Auch der grüne Punkt kann sich verlängern, verzweigen oder ausbreiten. Ein anderer Schütze sieht zudem möglicherweise die rote Farbe besser oder bemerkt keinen praktischen Unterschied zwischen den beiden Farben. Das Ergebnis wird durch das individuelle Sehvermögen, die Intensität der Hintergrundbeleuchtung, das Umgebungslicht und den Hintergrund, vor dem wir das Fadenkreuz beobachten, beeinflusst.
Beim Vergleich ist es daher notwendig, beide Farben auf eine ähnliche wahrgenommene Intensität einzustellen. Wenn Sie den roten und den grünen Punkt auf den gleichen Zahlenwert einstellen, müssen sie nicht unbedingt gleich hell sein. Grün kann dann einfach lesbarer erscheinen, weil das Auge es bei geringerem „Überleuchten“ erfasst. Manchmal bringt eine einfache Verringerung der Helligkeit des roten Punktes eine ähnliche Verbesserung.
Die Lesbarkeit des Fadenkreuzes wird auch durch die Umgebung beeinflusst. Ein grüner Punkt kann sich deutlich von einem dunklen oder neutralen Hintergrund abheben, während er in der Vegetation weniger kontrastreich wirken kann. Rot hebt sich in der Regel farblich vom grünen Hintergrund ab, garantiert jedoch auch keinen scharf abgegrenzten Punkt. Wählen Sie die Farbe daher danach aus, wie Sie sie unter realen Lichtverhältnissen und auf unterschiedlichen Hintergründen wahrnehmen, nicht nach allgemeinen Regeln.
👉 Am Rande kann man auch goldene oder bernsteinfarbene Fäden antreffen. Es handelt sich jedoch nur um eine weitere Farbvariante, nicht um eine eigenständige Lösung des Astigmatismus. Mit roten, grünen und goldenen Punkten kann man beispielsweise bei der neuen Generation von Pistolen-Kollimatoren von Holosun in Berührung kommen.

Ein verschwommener oder unregelmäßiger Punkt muss nicht automatisch Astigmatismus bedeuten. Eine scheinbare Deformation kann auch durch zu hohe Helligkeit, die Verschmutzung der Linse oder ungeeignete Lichtverhältnisse verursacht werden. Foto: Rigad
Falls ein klassisches Reflexions-Kollimator kein brauchbares Bild liefert, steht eine andere Art von Optik zur Verfügung. Auch hier gibt es jedoch keine Lösung, die für jeden gleichermaßen funktioniert.
Der holografische Zielvisier erzeugt ein Absehen mit einem anderen optischen Prinzip als ein herkömmlicher LED-Kollimator. Einige Schützen mit Astigmatismus nehmen es besser wahr, während es für andere genauso verzerrt oder noch weniger stabil erscheint. Das holografische Absehen kann bei direkter Konzentration auf seine Struktur körnig wirken. Bei richtiger Fokussierung auf ein entferntes Ziel wirkt es jedoch in der Regel zusammenhängender und seine Struktur stört weniger. Ein holografischer Zielvisier ist also einen Versuch wert, kann jedoch nicht als garantierte Lösung für Astigmatismus bezeichnet werden.
Oft stellt ein prismatisches Visier eine lesbarere Alternative dar. Sein Absehen besteht nicht nur aus einem projizierten Lichtpunkt, sondern ist in das optische Element eingeätzt. Daher hat es genau abgegrenzte Linien und bleibt auch ohne eingeschaltete Beleuchtung sichtbar. Viele Modelle bieten zudem eine Dioptrienkorrektur des Okulars an, mit der das Absehen entsprechend der Sehkraft des Benutzers fokussiert werden kann.
Für ein schärferes Bild zahlt man jedoch mit anderen Eigenschaften. Ein prismatisches Visier hat einen eingeschränkten Augenabstand und erfordert eine genauere Position des Auges hinter der Optik. Es ist in der Regel auch größer und schwerer als ein einfacher Kollimator und kann eine feste Vergrößerung haben. Daher ist es in erster Linie eine Alternative für ein Gewehr oder PCC.
👉 Wenn Sie sich nicht nur mit der Lesbarkeit der Absehen befassen, sondern auch mit der allgemeinen Wahl der Optik für ein Langgewehr, hilft Ihnen unser Vergleich von Kollimator und LPVO.
Bei Pistolen bleibt die Auswahl der geeigneten Größe, Farbe und Form des Fadenkreuzes des Pistolenreflexvisiers der wichtigste Weg, ebenso wie die richtige Einstellung der Helligkeit und die entsprechende Korrektur der Sehkraft. Mehr über die Vorteile und Einschränkungen des Reflexvisiers auf der Pistole haben wir in einem separaten Artikel behandelt.

Bei der Auswahl eines Pistolenreflexvisiers ist nicht nur die Farbe des Punktes entscheidend. Wichtig ist auch seine Größe in MOA, die Form des Absehens und vor allem die Lesbarkeit beim tatsächlichen Schießen. Foto: Rigad
Bei der Auswahl eines Kollimators ist es nicht notwendig, nach einem perfekt runden Punkt zu suchen. Viel wichtiger ist, ob Sie damit schnell und zuverlässig zielen können. Konzentrieren Sie sich beim Testen der Optik deshalb auf Folgendes:
Der grüne Hintergrund kann bei Astigmatismus geeigneter sein, aber auch keine wesentliche Verbesserung bringen. Ein kleinerer Punkt bietet theoretisch eine höhere Genauigkeit, solange das Auge ihn nicht in einen unregelmäßigen Fleck verwandelt.
Ein holografisches Visier kann einem Schützen helfen und einem anderen nicht. Prismatische Optik bietet oft ein schärfer begrenztes Absehen, verändert jedoch gleichzeitig die Art und Weise des Umgangs mit der Waffe.
Bevor Sie also beginnen, die Ausrüstung zu ändern, reinigen Sie die Optik, fokussieren Sie Ihr Auge auf das Ziel und reduzieren Sie die Helligkeit auf ein den umgebenden Bedingungen entsprechendes Niveau. Dann vergleichen Sie die Farben, Größen und Typen des Fadenkreuzes mit Ihrer eigenen Sehkraftkorrektur. Zwei Personen mit derselben Diagnose müssen durch denselben Kollimator nicht dasselbe Bild sehen. Die passende Wahl wird daher nicht durch die Angabe auf der Schachtel bestimmt, sondern durch das, was Ihr Auge beim Schießen schnell und wiederholt verarbeiten kann.

