Nylon ist die Bezeichnung für eine Gruppe von synthetischen Polymeren, Thermoplasten. Die Grundkette dieser Polymere besteht aus Peptidbindungen, weshalb sie häufig auch als Polyamide bezeichnet werden. Nylon ist das erste synthetische Polymer und die erste synthetische Faser, die direkt aus Kohle, Wasser und Luft hergestellt wurde und kommerziellen Erfolg hatte. Da die Bezeichnung Nylon nicht geschützt ist, wird sie von Herstellern im Geschäftsverkehr nicht nur für die ursprüngliche Gruppe von Polyamiden 6.6, sondern für alle Arten von Polyamidfasern verwendet.
Im Jahr 1930 entdeckten Forscher im Labor der Firma DuPont in den USA ein Polymer, das sich zu Fasern verstrecken ließ, jedoch einen niedrigen Schmelzpunkt hatte. Dr. Wallace Hume Carothers, Leiter des Labors, führte dann Versuche mit etwa 100 Amid-Verbindungen durch, von denen eine – Polyamid 6.6 – zufriedenstellende Werte hatte (z.B. Schmelzpunkt ca. 260 °C) und ließ sie sich im Februar 1935 von der Firma DuPont patentieren. Zum Ursprung des Namens Nylon gibt es in der Literatur verschiedene Versionen (am häufigsten ist wohl, dass es sich um eine Verkürzung des englischen Ausdrucks New York London handelt, eine andere Version ist das Akronym Now You Look, Old Nipponese!, das sich auf den damaligen Krieg zwischen Japan und den USA bezieht), es ist nur sicher, dass Nylon nicht als Handelsmarke patentiert ist. In den angelsächsischen Ländern begann man, die Bezeichnung Nylon als Sammelbegriff für lineare aliphatische Polyamide zu verwenden.
Zunächst wurde die Nylonfaser (ab 1938) für Bürstenborsten und ähnliche Gegenstände verwendet. Die ersten 5 Millionen Nylon-Strümpfe wurden im Mai 1940 innerhalb weniger Stunden verkauft und Nylonstrümpfe wurden sofort zum Synonym für hochwertigste und praktische Strumpferzeugnisse. Die Produktion des europäischen und asiatischen „Nylons“ begann 5–10 Jahre später, unter anderem Bezeichnungen und meist aus anderen Ausgangsverbindungen als das DuPont-Polyamid. Beispielsweise werden der deutsche Perlon (1943) oder der tschechische Silon (1947) und mindestens zehn weitere aus Caprolactam als Polyamid 6 anders als das Nylon (Polyamid 66 aus AH-Salz) hergestellt.
In den fünfziger Jahren wurden Nylonfasern für Reifen- und Riemencord und spezielle Stapelfasern für Teppiche entwickelt. Im Jahr 1960 wurde die Herstellung sogenannter kontinuierlich voluminöser, geformter Filamente (BCF) eingeführt, aus denen heute mehr als die Hälfte der textilen Bodenbeläge hergestellt wird. In den sechziger Jahren kamen Aramide (Nomex, Kevlar), die ebenfalls auf Polyamidbasis beruhen, in den frühen 70er Jahren eine besonders widerstandsfähige Harzart (Zytel) und in den 80er Jahren Filamente aus Polyamid 6.6 für Strümpfe mit einer Feinheit von 10 Denier in den Handel. Die weltweite Produktion von Polyamidfasern blieb trotz aller technischen Innovationen im Jahr 2007 auf dem Niveau von 4 Millionen Tonnen aus dem Jahr 1990. Nylon wurde mengenmäßig schon längst vom Polyester überholt (universellere Verwendung im Textilsektor) und später auch von Polypropylen (wesentlich günstigere Produktion). Die Produktionskosten sind bei Polyamiden doppelt so hoch wie bei Polyester und die ökologischen Probleme mit Lachgas, das bei der Produktion in die Atmosphäre gelangt, sind bei Polyamiden noch nicht endgültig gelöst.